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Rückblick: Podiumsdiskussion auf der Langen Nacht der Wissenschaften zu Digitalisierung der Wirtschaft – Industrie 4.0: Ende oder Zukunft der Arbeit?

PodiumsteilnehmerInnen: von links nach rechts: PD Dr. Hagenah, Dr. Ried, Dr. Galek, Prof. Dr. Beckmann (hinten), Prof. Dr. Voigt, Prof. Dr. Bär (hinten), Prof. Dr. Schels

Im Zuge der Langen Nacht der Wissenschaften veranstaltete das CMTS gemeinsam mit der Emerging Fields Initiative (EFI) „Sustainable Smart Industry“ eine Podiumsdiskussion zum aktuell kontrovers diskutierten Thema „Digitalisierung der Wirtschaft – Industrie 4.0: Ende oder Zukunft der Arbeit?“.

Auf dem Podium waren verschiedene Perspektiven aus den Bereichen Technik, Ethik, Management, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften vertreten. Gemeinsam mit den TeilnehmerInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierte Prof. Dr. Markus Beckmann zahlreiche Fragen zur Zukunft der Arbeit im Kontext einer vierten industriellen Revolution. Das Podium bildeten Prof. Dr. Christian Bär (CDO, DATEV eG), Dr. Marek Galek (Senior Key Expert, Siemens AG), Prof. Dr. Kai-Ingo Voigt (Lehrstuhl für Industrielles Management, FAU), Prof. Dr. Brigitte Schels (Juniorprofessur für Arbeitsmarktsoziologie, FAU), Dr. Jens Ried (CMTS) und PD Dr. Hinnerk Hagenah (Lehrstuhl für Fertigungstechnologie, FAU). An mehreren Stellen im Verlauf der Diskussion wurden Fragen aus dem Publikum vom Panel aufgegriffen und teils kontrovers diskutiert.

Industrie 1.0, 2.0, 3.0 oder 4.0?

Im Laufe der Diskussion wurde die Frage nach dem Einfluss von Industrie 4.0 auf die Zukunft der Arbeitswelt unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Zu Beginn wurde zunächst versucht, ein gemeinsames Verständnis für die Begrifflichkeit Industrie 4.0 zu erarbeiten. Daran anschließend stellte sich die Frage, worin sich eine Industrie 4.0 nun von den Vorgängern (Industrie 1.0, 2.0 und 3.0) abhebt.  Einig schien, dass Industrie 4. auf die bisherigen Versionen und ihre Merkmale Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung aufbaue. Neu hingegen seien Aspekte der wachsenden Vernetzung, der Datengetriebenheit von Dynamik und Komplexität sowie der Neugestaltung herkömmlicher Rollen von Unternehmen, Kunden, Zuliefern etc. Ob die vierte industrielle Revolution jedoch schon in vollem Gange ist, oder ob wir lediglich erste Vorzeichen sehen, konnte vom Podium nicht eindeutig bestimmt werden.

Veränderung der Arbeitswelt im Kontext Industrie 4.0

Ein zentraler Aspekt im Hinblick auf die Folgen der vierten industriellen Revolution war dabei die Rolle von Berufen und deren Veränderung in einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Wirtschaft. Welche Berufe und Arbeitsplätze werden von Industrie 4.0 betroffen sein? Welche Arbeitsplätze werden dabei verlorengehen und welche vielleicht neu entstehen? Werden vielleicht neue Berufe geschaffen, die heute noch undenkbar sind? Und was bedeuten diese Entwicklungen für die Menschen im Arbeitsmarkt? Im Hinblick auf die zukünftige Ausgestaltung des deutschen Arbeitsmarktes kommt Industrie 4.0 eine ambivalente Rolle zu. Eine Industrie 4.0 bietet eine Vielzahl von Chancen für den Arbeitsmarkt, etwa eine bessere Inklusion von Menschen mit Behinderung oder mehr Berufe mit kreativem Gestaltungsspielraum. Gleichzeitig könnte eine Industrie 4.0 für viele Menschen den bisher vermeintlich sicheren Job bedrohen, insbesondere für Menschen mit mittlerer Qualifikation. Die Folge könnte eine Polarisierung des Arbeitsmarktes sein. Unklar ist jedoch, welche Gruppen von ArbeitnehmerInnen letztlich zu den Gewinnenden und welche zu den Verlierenden gehören werden. Seriöse Prognosen zur Ausgestaltung von zukünftigen Arbeitsmärkten können nur für einen sehr kurzen Zeitraum gegeben werden. Für langfristige Prognosen ist der Wissensstand zu Industrie 4.0 noch zu begrenzt.

Kompetenzen und lebenslanges Lernen

Verständigen konnten sich die PodiumsteilnehmerInnen auf den hohen Stellenwert von Kompetenzen, die nötig sind, um mit den Folgen der Industrie 4.0 zurecht zu kommen bzw. die Revolution proaktiv zu gestalten. Hierfür spielt das lebenslange Lernen eine zentrale Rolle. Unklar bleibt, wie Schulen und Hochschulen die hierfür notwendigen Kompetenzen vermitteln sollen, wenn die Folgen und Ansprüche der neuen Industrie kaum vorhersehbar sind. Ein starkes Plädoyer besteht jedoch für die Förderung von inter- und transdisziplinärer Forschung und Lehre an den Hochschulen.

 

Eine echte Vision, wie nun die Industrie 4.0 in Deutschland aussehen soll, konnten die TeilnehmerInnen auf dem Podium bisher nicht erkennen. Zudem bleibt offen, ob die Politik in Deutschland und Europa mit der Dynamik der vierten industriellen Revolution Schritt halten kann. Hier ist Gestaltungswille gefragt.

Nach intensiven 90 Minuten wurde die Diskussion im Foyer weitergeführt. Die hohe Relevanz des Themas zeigte sich nicht nur durch die angeregte Diskussion auf dem Podium und die vielen Fragen aus dem Publik, sondern ebenfalls durch die mehr als 50 TeilnehmerInnen im Publikum.