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Lehre im Wintersemester 2017/18

Im Wintersemester 2017/18 bietet das CMTS mehrere fakultätsübergreifende Lehrveranstaltungen für Studierende an.

 

Der Nuremberg Campus of Technology (NCT) bietet gemeinsam mit dem CMTS das Seminar „Ethik und Philosophie der Technik“ im WiSe 2017/18 an. Innerhalb des Seminars gibt es zwei Spezialisierungen:

Spezialisierung 1: Autonomes Fahren: Technische und gesellschaftliche Herausforderungen der Mobilität 4.0

Spezialisierung 2: Ethische Aspekte medizintechnischer Innovationen

Veranstaltungsform: Seminar

Dozent: Dr. Jens Ried, Nuremberg Campus of Technology, Center for Management, Technology and Society, Fürther Str. 246c, 90429 Nürnberg

Adressaten

Bachelor- und Masterstudierende mit technischen, ökonomischen, sozial- oder geisteswissenschaftlichen Fächern. Die Anrechenbarkeit der Studienleistungen wird vorab geklärt.

Studierende im Master Medizintechnik können nach vorheriger Absprache das Seminar als Ersatz für das Seminar Medizinethik belegen (Nr. 430178).

Maximale Zahl der Teilnehmenden: 25

Unterrichtssprache: Deutsch

Inhalt

Technische Innovationen und Entwicklungen ziehen regelmäßig gesellschaftliche Transformationen nach sich und werfen ethische Fragen u.a. nach Form und Grenzen der Implementierung von Technik im Alltag auf. Autonomes Fahren und medizintechnische Entwicklungen stellen derzeit besonders innovative Felder technischer Entwicklung dar, stehen deshalb im besonderen Fokus gesellschaftlicher und politischer Aufmerksamkeit und eignen sich daher als Paradigmen für die Erarbeitung ethischer Perspektiven auf technische Innovationen und ihre sozialen Implikationen. Nach einem gemeinsamen einführenden Teil, der die Grundlagen der ethischen Urteilsbildung und die notwendigen theoretischen Hintergründe erschließt, wird in Projektgruppen mit zwei Spezialisierungen – Autonomes Fahren oder Medizintechnische Innovationen – weitergearbeitet. Am Ende des Seminars werden die Ergebnisse des Mittelteils gemeinsam diskutiert.

Spezialisierung 1: Autonomes Fahren

Autonomes Fahren ist eine der viel versprechendsten technischen und ökonomischen Verkehrsinnovationen mit dem Potential, die Mobilität von Personen und Gütern nachhaltig zu verändern und nicht zuletzt auch eine wesentliche Verbesserung der Sicherheit und der Effizienz im Straßenverkehr zu erreichen. Damit liegt das Themenfeld „Autonomes Fahren“ an der Schnittstelle von Automatisierungstechnik, intelligenter Stadt-, Verkehrs- und Mobilitätsplanung, wirtschaftlichen Erwägungen sowie ethischen, rechtlichen und sozialen Herausforderungen. Folglich eignet es sich sehr gut als Paradigma für die multiperspektivische und interdisziplinäre Erfassung, Bearbeitung und Beurteilung von technischen und gesellschaftlichen Innovationen. Denn neben den Herausforderungen an Technik und Infrastrukturplanung verbindet sich mit dem Themenfeld Autonomes Fahren auch eine Reihe ethischer, rechtlicher und sozialer Fragen, u.a. nach Haftung bei Schäden, nach der rechtlichen Gestaltung des Autonomen Fahrens, nach der Festlegung von Algorithmen für automatisierte (und dabei auch autonome?) Entscheidungsprozesse oder nach dem change management für den Übergang vom konventionellen zum autonomen Verkehrssystem.

Spezialisierung 2: Medizintechnische Innovationen

Fortschritte und Innovationen auf dem Gebiet der Medizin verbinden sich seit jeher mit ethischen Fragen. Die fundamentale Bedeutung des Gutes Gesundheit führt zudem regelmäßig dazu, dass Neuerungen einen besonderen öffentlichen Hype erfahren, der in der Regel rasch mit tiefgreifender Skepsis konfrontiert ist. Neue Methoden wie das genome editing, neue Ansätze wie die Systemmedizin oder Innovationen in etablierte Handlungsfelder, die aber noch einmal grundlegende Fragen aufwerfen, wie bei der Gentherapie eignen sich, paradigmatisch und multiperspektivisch ethische Ansätze auf der Schnittstelle von Medizin und Technik zu entwickeln

Ablauf

Im Seminar werden in einem ersten Teil Grundlagen der ethischen, rechtlichen und sozialen Bewertung technischer Innovationen erschlossen. Im zweiten Teil werden in Projektgruppen die Themenfelder „Autonomes Fahren“ und „Medizintechnische Innovationen“ erarbeitet. Auf dieser Grundlage wird ein Plan für ein Projekt (Umfrage, Interviews, historische, vergleichende und / oder systematische Modellierung, Entwicklung einer Zukunftsvision mit Umsetzungsplan o.ä.) entwickelt, das im dritten Teil des Seminars durchgeführt wird. Die Ergebnisse werden abschließend im Seminar präsentiert und diskutiert.

Das Seminar beginnt mit einem vorlesungsartigen Block über die Grundlagen von Ethik und Philosophie der Technik (drei Sitzungen), dem sich jeweils eine Sitzung zu den beiden Schwerpunkten anschließt. In der folgenden Projektphase werden die jeweils gewählten Fragestellungen erarbeitet und in einem abschließenden Block präsentiert.

Formalia

Das Seminar findet teilweise als Block statt; die Termine werden in der ersten Sitzung mit den Teilnehmer/innen abgestimmt. Der Besuch des Symposions „Autonomes Fahren“ ist obligatorisch (es handelt sich um ein halbtägiges Symposion, der Termin wird noch bekannt gegeben).

Als Prüfungsleistung gilt die Präsentation in Verbindung mit einer daran anschließenden Verschriftlichung in Form eines Essays im Umfang von ca. 10 Seiten.

Interessierte melden sich bitte vorab bei Dr. Jens Ried per E-Mail unter Angabe ihres Studienganges an.

 

Die Zukunft der Arbeit im Zeitalter von Industrie 4.0 wirft vielfältige Fragen auf, die eine einzelne Wissenschaftsdisziplin kaum in ihrer Breite und in ihrem Zusammenspiel bearbeiten kann. Diese Fragen umfassen und sind zugleich nicht beschränkt auf:
  • Was bedeutet Industrie 4.0 für das gesellschaftliche Verständnis und den Stellenwert von Arbeit? Welche ethischen Fragen sind damit verbunden?
  • Wie sieht der Arbeitsmarkt der Zukunft im Kontext Industrie 4.0 aus? Welche Beschäftigungseffekte ergeben sich hierbei? Wie können Löhne und Gehälter in Zukunft gestaltet werden und wie verändert Industrie 4.0 die bestehenden sozialen Sicherungssysteme?
  • Welche Qualifikationen und Kompetenzen benötigen die Mitarbeiter und Führungskräfte in einem Umfeld ständigen Wandels und Lernens?
  • Wie können Arbeits- und Produktionsprozesse in Zukunft organisiert werden? Und was bedeutet das für das Management von Organisationen und die Art und Weise, wie Organisationen funktionieren und geführt werden?
  • Wie verändern neue Arbeitswelten unsere Vorstellungen von betrieblicher Mitbestimmung?
  • Wie berührt Industrie 4.0 die nationale und internationale Gesetzeslage, Fragen des Arbeitsrechts, des geistigen Eigentums und Aspekte des Datenschutzes?
  • Welche Rolle spielt eine Industrie 4.0 für Nachhaltigkeitsherausforderungen?
  • Usw.

Die aufgeworfenen Fragen zeigen das Spannungsfeld, in dem sich die Zukunft der Arbeit im Zeitalter von Industrie 4.0 bewegt. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass zur Beantwortung dieser Fragen Akteure aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen notwendig sind. Insbesondere die Teilaspekte Management, Technologie, Recht und Gesellschaft sind von der Transformation zur Industrie 4.0 in erheblichem Ausmaß betroffen.

Das CMTS veranstaltet im Wintersemester 2017/18 zum dritten Mal ein interdisziplinäres Projektseminar. Das aktuell kontrovers diskutierte Thema Industrie 4.0 wird dabei von Master-Studierenden an der Schnittstelle von Management, Technologie und Gesellschaft aufgegriffen. In interdisziplinären Projektteams bearbeiten die Studierenden ausgewählte Fragestellungen und bringen die Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Abschlussveranstaltung in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

Termine

Das Seminar findet an drei Donnerstagen statt:

Auftaktveranstaltung: 2.11.2017 17:00 – 20:00 Uhr

Zwischenpräsentation: 7.12.2017 17:00 – 20:00 Uhr

Abschlussveranstaltung: 01.02.2018 18:00 – 20:00 Uhr

Das Seminar findet in den Räumlichkeiten des Energie Campus auf AEG statt.

Zusätzlich vereinbaren die Studierenden und Betreuenden individuelle Sprechstundentermine.

Die Koordination des Seminars erfolgt durch: Prof. Dr. Markus Beckmann & Jens Heidingsfelder

Lernziele

Die Studierenden

– beschäftigen sich mit einer vorgegebenen interdisziplinären Fragestellung im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit im Zeitalter von Industrie 4.0

– bearbeiten eine wissenschaftliche und gesellschaftsrelevante Fragestellung in einem interdisziplinären Team,

– erwerben zum Themenfeld ihrer Fragestellung spezifische Fachkenntnisse,

– lernen, selbstständig und im Team komplexe Probleme zu analysieren und eine Fragestellung wissenschaftlich zu beantworten,

– werden im analytischen Denken geschult,

– vertiefen ihre Fähigkeiten im wissenschaftlichen Arbeiten und im Projektmanagement,

– bauen ihre Präsentationsfähigkeiten aus.

Empfohlene Voraussetzungen für die Teilnahme

Das Seminar ist insbesondere vorgesehen für (Master)Studierende aus Technischer Fakultät, Philosophischer Fakultät und dem Fachbereich Theologie sowie den Fachbereichen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Fachliches Engagement und ein ausgeprägtes Interesse an interdisziplinärer wissenschaftlicher Arbeit werden vorausgesetzt.

Das Seminar ist ab dem 1. Semester im Master belegbar.

Verwendbarkeit des Moduls und Bewerbung

  • Modul im Vertiefungsbereich des Master in Management
  • Modul im fachwissenschaftlichen Pflichtbereich der Studienrichtung I oder Modul im fachwissenschaftlichen Wahlbereich der Studienrichtung II im Master Wirtschaftspädagogik
  • Modul im Wahlbereich des Master Arbeitsmarkt und Personal
  • Modul im freien Wahlbereich des Master in Economics
  • Modul im freien Vertiefungsbereich Master Sozialökonomik

Für Anrechnungsmöglichkeiten in den weiteren beteiligten Disziplinen wenden Sie sich bitte an die beteiligten Lehrstühle und/oder Jens Heidingsfelder.

Die Bewerbung/Anmeldung erfolgt via Email bis zum 25.10.2017, 23:59, an jens.heidingsfelder@fau.de mit einer kurzen Darstellung der Motivation zur Teilnahme am interdisziplinären Seminar (maximal 150 Wörter). Bitte setzen Sie dabei den beteiligten Lehrstuhl, zu dem Sie sich fachlich zugehörig fühlen, in cc.
Die Auswahl der Studierenden erfolgt durch die beteiligten ProfessorInnen.
Anzahl Teilnehmende: max. 24

Weiterführende Informationen finden Sie im FAQ für Studierende.

Studien- und Prüfungsleistungen

Prüfungsleistung: Präsentation

Studienleistung: Anwesenheitspflicht für die Teilnehmenden.

 

Dozentinnen/Dozenten

Dr. Jon Leefmann, Dr. Sebastian Schuol, Dr. Jens Ried

Institution: Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS)

Anrechnung

Proseminar, 2 SWS, ECTS-Studium, ECTS-Credits: 5
für Anfänger geeignet, geeignet als Schlüsselqualifikation, für Gasthörer zugelassen, Sprache Deutsch

Voraussetzungen / Organisatorisches

Die Veranstaltung findet im Zeitraum vom 17.10 bis 21.11. sowie am 5.12. und 12.12. jeweils Di 14:15-15:45 im Seminarraum der Villa an der Schwabach statt (Hindenburgstr. 46a, 1. Stock). Am 28.11. und 19.12. gibt es zusätzlich zwei Blockveranstaltungen (nachmittags) im Museum Industriekultur (Nürnberg).

Maximale Teilnehmerzahl: 25

Die Teilnahme am Seminar setzt keine spezifischen Fachkenntnisse voraus, wohl aber die Bereitschaft, sich in die verschiedenen Denkweisen einzuarbeiten. Teilnehmer/-innen sollten in der Lage sein, wissenschaftliche Texte auch in englischer Sprache lesen und verstehen zu können.

Inhalt

Wissenschaft und Technik prägen und verändern Gesellschaften auf vielfältige Weise. Gleichzeitig sind die Fragestellungen und Erkenntnisprozesse der Wissenschaften einerseits und technische Probleme und Lösungsansätze andererseits häufig durch spezifische gesellschaftliche Interessen und Problemlagen inspiriert. Um verstehen zu können, warum welche wissenschaftlichen Methoden und technische Lösungen entstehen konnten und wie sie unsere eigene Sicht auf die Welt beeinflussen, bedarf es einer kritischen Reflexion der wechselseitigen Beziehungen zwischen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft.
ST-Studies (gelegentlich auch als STS-Studies bezeichnet) ist eine Sammelbezeichnung für Forschungsansätze unterschiedlicher disziplinärer Herkunft, die wissenschaftliche (Science), technische (Technology) und gesellschaftliche (Society) Einflussfaktoren auf Erkenntnisprozesse untersuchen. Ihre gemeinsame Ausgangsthese ist, dass wissenschaftliche Fakten nicht unmittelbar „entdeckt“ werden, sondern dass wir als Erkenntnissubjekte einen bloß mittelbaren Zugang zur Welt haben. Dabei sind die im Erkenntnisprozess verwendeten Mittel nicht neutral, sondern üben einen wesentlichen Einfluss auf das aus dem Erkenntnisprozess resultierende Welt-Verständnis aus. In der Entwicklung der ST-Studies haben sich zwei Forschungsstränge herauskristallisiert: Der erste Strang widmet sich der Wissensproduktion im engeren Sinne – hier werden Fragen folgender Art gestellt: Welche Entitäten haben wie Einfluss auf die Produktion von Wissen? Welchen Status haben diese, wenn sie bei der Wissensproduktion mehr oder weniger aktiv beteiligt sind? Verläuft Erkenntnis immer historisch, d.h. prozessual und wenn ja, in welchem Verhältnis steht dieses dynamische Verständnis zu eher statischen Konzepten? Der zweite Strang widmet sich den Folgen dieser Erkenntnisse und ihrer Regulation – hier werden z.B. folgende Fragen aufgeworfen: Wie, bzw. nach welchen Kriterien soll der Gesetzgeber die wissenschaftliche Forschung (somit auch das Faktenwissen) lenken? Wer soll bei der Entscheidungsfindung darüber beteiligt werden? Wie soll die Gesellschaft Risiken erfassen und Sicherheitsstandards festlegen?
Im Seminar werden wir im Rahmen von wöchentlichen Sitzungen auf beide Bereiche genauer eingehen. Darüber hinaus werden wir anhand zweier Praxisblöcke, die beide im Museum Industriekultur in Nürnberg stattfinden, uns aber auch den Dingen selbst zuwenden und das Gelernte auf die Exponate anwenden, d.h. sie im Lichte verschiedener theoretischer Ansätze der ST-Studies in ihrem historischen Kontext interpretieren.


Empfohlene Literatur

Literatur wird zu Beginn des Seminars bekannt gegeben. Zur Vorbereitung empfiehlt sich:
Bauer, Susanne; Heinemann, Torsten; Lemke, Thomas (2017): Science and Technology Studies – Klassische Positionen und aktuelle Perspektiven. Berlin: Suhrkamp.